individuelle Schwangerschaftsbegleitung – Erfahrungsbericht

Hier der Erfahrungsbericht von R. Vetter (36. Schwangerschaftswoche) Juni 2015
Christine begleitete mich während der gesamten Schwangerschaft bis jetzt ca. 4 Wochen vor der Geburt. Da ich, als ich schwanger wurde, schon regelmäßig zu ihr in die wöchentliche Gruppenstunde kam, hatten wir Beide die Möglichkeit, schon recht früh damit zu beginnen. Die erste Einzelstunde im Rahmen der individuellen Schwangerschafts-begleitung fand also bereits in der 10. SSW statt. 

Anfangs waren die Stunden noch mehr geprägt von körperlichen Übungen, veränderten sich im Laufe der Zeit – nachdem der Bauch immer größer wurde – in Richtung Atem- und Entspannungsübungen. Auch der gedankliche Austausch und die Gespräche mit Christine wurden immer mehr, d.h. wir haben uns sehr viel über die Geburt selbst unterhalten, über Möglichkeiten, Orte (Krankenhaus, Geburtshaus), Positionen etc.

Die Beschäftigung mit meiner Schwangerschaft, den physischen und psychischen Veränderungen sowie der bevorstehenden Geburt hat mich deutlich geprägt und auch weiter wachsen lassen (nicht nur den Bauch). Ich hatte bis dato eine sehr unkomplizierte und recht angenehme Schwangerschaft. Ich glaube, auch deshalb, weil ich ihr Raum und Zeit gegeben habe. Es fühlte sich für mich so an, dass ich bei Christine einen kleinen „geschützten Raum“ habe, in dem erst einmal alles da sein darf – egal, in welcher Stimmung ich dort ankomme oder ob es irgendwo zwickt oder ich mir wegen etwas Sorgen mache. Sie hat mir mit ihrer einfühlsamen Art geholfen, alles wieder zu sortieren und in das passende Licht zu rücken. In und nach den Stunden war ich wieder ganz bei mir und dem kleinen Baby, das in meinem Bauch heranwächst. 

Wie schon die wöchentlichen Gruppenstunden hatten auch diese Einzelstunden den Effekt, dass sich im Laufe der Zeit deren positive Wirkung nicht nur auf die Stunden selbst beschränkt hat, sondern in den Alltag ausgestrahlt hat. Neben der Begleitung des „Ist-Standes“ (meines jeweiligen Seins in der Stunde) hat Christine auch immer wieder neue Impulse gesetzt, indem sie mir z.B. Bücher empfohlen hat, in denen Frauen von ihren Hausgeburten berichten oder die sich mit dem Thema Hypnobirthing beschäftigen. Auch auf Videos von wirklich wunderschönen Geburten hat sie mich aufmerksam gemacht. Das hat bei mir keineswegs dazu geführt, dass ich jetzt eine regelrecht romantische Vorstellung von der Geburt habe. Auch habe ich mich nach einem langen Prozess für eine Geburt im Krankenhaus entschieden und werde mein Kind nicht im Geburtshaus oder zuhause auf die Welt bringen. Aber ich habe meinem früher doch sehr „klassischen“ Bild von einer Geburt (Frau liegt schreiend und mit schmerzverzerrtem Gesicht in Rückenlage auf einem Bett) viele verschiedene Nuancen hinzugefügt, einfach weil ich gesehen und gelesen habe, wie es auch sein kann (nicht muss) und was ich konkret tun kann, um für möglichst viel Entspannung bei der Geburt zu sorgen. Somit blicke ich heute der bevorstehenden Geburt nicht mit Angst entgegen, vielmehr ist es eine neugierige Aufgeregtheit. Ich freue mich darauf und bin sehr gespannt, wie wir (ich, mein Mann und unser Baby) dieses Ereignis erleben werden.

Vielen Dank schon mal bis hierher, liebe Christine. Ich habe aus den Stunden mit Dir – sowohl aus den Gruppen- als auch aus den Einzelstunden – so viel mitgenommen. Du hast mich begleitet, unterstützt, angeregt und in den letzten Monaten „weitergebracht“. Jedoch nicht weiter von mir weg, sondern weiter zu mir hin. Ich war mir selbst noch nie so nah wie in den letzten Monaten, was neben dem Baby in meinem Bauch, das immer wieder meine Aufmerksamkeit einfordert, auch sehr an Deiner tollen Begleitung liegt. Ich freue mich schon darauf, eines Tages wieder bei Dir auf der Matte zu liegen, im Gepäck mein eigenes, ganz individuelles Geburtserlebnis.

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Nachtrag von R. Vetter – Ein kleiner Einblick in meine Geburtserfahrung / Oktober 2015
Unsere Tochter hat sich zwei Tage vor dem errechneten Termin auf den Weg gemacht. Tage vorher gab es bereits eindeutige Anzeichen in Form von ersten leichten Wehen. Am Tag selbst sind mein Mann und ich morgens nach dem Aufstehen ins Krankenhaus gefahren, da die Wehen recht schnell in recht kurzen Abständen kamen. Nach einer Runde am CTG durfte ich in die Wanne. Das hatte ich mir in meiner Vorstellung vorher immer gewünscht und es war für mich in dem Moment genau das Richtige. Das warme Wasser war sehr entspannend und ich konnte mich komplett fallen lassen. Die Wehen waren produktiv, d.h. ich war recht schnell komplett eröffnet und der spannende Teil des Ganzen konnte losgehen. Die letzte Phase dauerte etwas länger, aber nach insgesamt 11 Stunden (gerechnet von den ersten Wehen zuhause bis zur Geburt) erblickte unsere Tochter in der Wanne das Licht der Welt.
Die Wehen waren schmerzhaft, aber für mich sehr gut auszuhalten. Auf Schmerz- oder sonstige Hilfsmittel konnte ich verzichten. Das hatte ich mir in meiner Vorstellung immer gewünscht, aber nie ganz ausgeschlossen, doch darauf zurückzugreifen, wenn ich der Meinung bin, dass es für die Geburt förderlich ist. Durch beherztes Tönen konnte ich gut los- und mich richtig fallenlassen. Ich habe den Schmerz nicht verdrängt, sondern angenommen. Das gelang natürlich nicht bei jeder Wehe immer gleich gut, aber ich hatte insgesamt das Gefühl, noch im Besitz meiner Kräfte zu sein, auch wenn ich gefühlt in einer anderen Welt war. Irgendwie war ich ganz tief in mir drin und konnte alles um mich rum recht gut ausblenden bzw. nur verschwommen wahrnehmen. Somit hatte ich den Fokus auf das, worum es ging: die Geburt unserer Tochter. Zwischen den Wehen habe ich die Pausen aktiv genutzt, um Kraft zu tanken. Ich habe versucht, mich möglichst zu entspannen und ganz ruhig und tief zu atmen. Auch das gelang nicht immer gleich gut, aber im Großen und Ganzen hat es geklappt.

Ich bin überzeugt davon, dass die intensive Vorbereitung – sowohl körperlich als auch mental – genau das Richtige für mich war und dieses Geburtserlebnis möglich gemacht hat. Ich hatte vor der Geburt keine Angst und auch währenddessen kamen keine Angstgefühle auf. Ich wusste, ich kann das schaffen, auch mit der tollen Unterstützung meines Mannes. Diese Zuversicht hat mich die ganze Geburt über getragen, v.a. in den Momenten, wo es etwas anstrengender wurde.
Heute weiß und verstehe ich, was für ein mächtiges Erlebnis eine Geburt sein kann. Man kann es wirklich als Grenzerfahrung bezeichnen, denn man überschreitet Grenzen, die man bis dahin gar nicht kannte. Ich blicke gerne und dankbar auf diese Geburt zurück und freue mich, dass ich sie so erleben durfte.

 

Vielen lieben Dank liebe R., für diese sehr persönlichen Zeilen und das Teilen deiner Geburtsvorbereitung und Geburtserfahrung auf meine Website. Danke, dass ich dich dabei ein Stück des Weges begleiten durfte.